Status quo wieder hergestellt – Leerstand bleibt leer
Statement der Besetzer*innen des Straußhauses
Wir sind ein Zusammenschluss verschiedener Menschen, die sich in Duisburg und ruhrgebietsweit für ein solidarisches Zusammenleben aller Menschen engagieren. Wir haben am Samstag, den 16.09. ein seit Jahren leerstehendes Haus in der Straußstraße 21 in Duisburg-Neudorf besetzt, um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Durch die sofortige Absperrung der Straße und die schnelle Räumung wurden uns alle Möglichkeiten genommen, mit den Bewohnerinnen und Nachbarn in Kontakt zu treten, den Dialog mit dem Eigentümer zu suchen, sowie jene Themen anzusprechen, die uns zur Aktion motiviert haben:
Wir fordern, dass die Bedürfnisse der in der Siedlung lebenden Menschen endlich ernst genommen werden! Stadtpolitik wird schon viel zu lange über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden.Wir fordern selbstverwaltete Freiräume in Duisburg, wo Teilhabe, Engagement und direkte Demokratie gelebt und gelernt werden können – abseits einer stadtpolitisch alles lähmenden Profitorientierung! Wir fordern menschenwürdigen und bezahlbaren Wohnraum für alle: es kann nicht sein, dass unzählige Wohnungen leerstehen, während Wohnungsnot herrscht und Mieter*innen mit wenig Einkommen nach Luxussanierungen aus ihrem Lebensumfeld vertrieben werden. Es kann nicht sein, dass Menschen die unter Lebensgefahr und furchtbarsten Bedingungen aus Kriegsgebieten zu uns geflohen sind, hier ohne Privatspähre und Würde in Traglufthallen zusammengepfercht werden, während unzählige Wohnungen leerstehen.
Gerade in Duisburg läuft seit Jahren unglaublich viel schief, eine
detailierte Aufzählung von Bruckhausen, über Zwangsräumungen in Marxloh und Hochfeld, sowie Baumfällungen im gesamten Stadrgebiet, bis zum Skandal um die Alten Feuerwache, dem DOC und der geplanten Bebauung von 170 Hektar freier Landschaft (davon 15 Hektar Wald), würde Seiten füllen. Es wird dringend Zeit, dass ein Umdenken stattfindet! Es wird Zeit, dass die Meinungen der echten Expert*innen ernst genommen wird: die Menschen vor Ort, die tatsächlich betroffen sind. Damit eine von Profitinteressen unbeeinflusste Meinungsbildung stattfinden kann, brauchen wir dringend mehr Freiräume, wir brauchen soziokulturelle Zentren in Selbstverwaltung, wir brauchen Orte, an denen sich Menschen treffen und miteinander austauschen können. Weil es diese Orte nicht gibt, sahen wir uns zu der Besetzungsaktion gezwungen.
Solch ein Ort hätte das Straußhaus werden können, ein Ort der Begegung, der Gespräche, des Kennenlernen und Vernetzens, ein Ort der Integration und der echten Demokratie. Gemeinsam mit Anwohner*innen, Interessierten und gerne auch Vertreter*innen der Stadt hätten wir Meinungen sammeln, Ideen entwickeln und gemeinsam an Lösungen arbeiten können. Die schnelle Räumung macht einmal mehr deutlich, dass solch ein Ort – und auch die Debatte die dort hätte stattdinden können – in Duisburg nicht erwünscht sind.
Wir werden uns nicht entmutigen lassen, wir werden andere Wege finden, mit der Nachbarschaft der Straußsiedlung in Dialog zu treten und gemeinsam weitere Schritte zu planen. Wir werden uns weiterhin einsetzen für eine Stadt, in der wir Alle gerne leben, ungeachtet der Herkunft oder der finanziellen Möglichkeiten. Wir werden uns nicht weiter mit
leeren Versprechungen besänftigen lassen: Diese Stadt gehört uns allen, wir alle haben das Recht darauf, sie nach unseren Bedürfnissen mitzugestalten. Dieses Recht lassen wir uns nicht nehmen.
Hier geht es zum Video-Statement auf vimeo.